"China – Eine Entdeckungsreise vom
Altertum bis ins 20. Jahrhundert"
Gianni GUADALUPI
Inhalt
Tibet-Konflikt, Studentenproteste, Kulturrevolution – die Geschichte des modernen Chinas ist hinlänglich bekannt und bietet jede Menge interessante Diskussionspunkte. Doch wie hat sich China eigentlich in das Bewusstsein des Westens geschoben? Wie kam es zu den ersten Handelskontakten? Und wie wurde aus der Kulturnation China plötzlich ein Land voller Barbaren, dass sich der Westen als Kolonien aneignen musste? Gianni Guadalupis "China" begibt sich auf die Spuren europäischer Reisender, Händler und Missionare, um die europäisch-chinesischen Beziehungen neu zu entdecken. Illustriert mit zahlreichen Gemälden, Fotos und Karten erzählt das Buch von Mythen, Missverständnissen und Zufällen, die das gegenseitige Verständnis prägten. Eine Entdeckungsreise der besonderen Art.
Kommentar
Gianni Guadalupi lädt mit "China"
zu einer spannenden Entdeckungsreise durch die Jahrhunderte ein: Fingierte Spionageberichte, verklärte China-Schwärmerei und
die erzwungene Öffnung für den Opiumhandel – viele Stichpunkte werden Chinafans irgendwo einmal über den Weg gelaufen sein,
die detaillierten Hintergründe werden den wenigsten bekannt sein. Und so macht sich "China – Eine Entdeckungsreise vom
Altertum bis ins 20. Jahrhundert" auf eine lohnende Forscherreise, die u.a. von portugiesischen Piraten, Seemannsgarn und
den Missionierungsversuchen von Francisco Xavier berichtet. Das Chinabild der Europäer schwankte stets zwischen zwei Extremen und
bewegt auch heute noch Gemüter und Politik auf beiden Seiten. "China" zeigt sehr eindringlich, welche Faktoren
hierbei bestimmend waren und eröffnet gleichzeitig eine packende Kulturgeschichte, die anhand vieler faszinierender Bilder
veranschaulicht wird. Das Buch beginnt mit Herodot 445 v.Chr. und seinen Berichten von märchenhaften Völkern und endet mit der
Ausrufung der Republik China im Jahre 1912. Die Kapitel sind gut gegliedert, die Texte informativ und lebendig – auch wenn die starke
Neigung zu Kettensätzen stellenweise etwas ermüden kann.
Bildlegenden sind ausführlich
und detailliert und liefern auch Hintergrundinformationen zu Geschichte und Symbolik. Einige Werke enthalten jedoch nur französische
Begriffe. Die Kapitelanfänge sind extrem großzeilig verfasst und nicht sehr lesefreundlich, der restliche Text ist jedoch gut lesbar.
Ein Index erleichtert das gezielte Nachschlagen, ein Glossar fehlt jedoch. Buchbindung, Papier und Druck sind von ausgezeichneter Qualität
und rechtfertigen den Preis von 60 Euro. Zudem ist das Buch in einem schönen Schutzschuber verstaut.
Auszug
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts verbreiteten sich in den südchinesischen Häfen Gerüchte über das Auftauchen einer neuen Sorte von Barbaren, die aus bislang unbekannten, weit entlegenen Ländern jenseits unzähliger Meere in Richtung der untergehenden Sonne stammen sollten und den bis dahin friedlichen Handel störten. Sie waren angeblich über die Maßen behaart und außerordentlich übel riechend, daneben großspurig und blutrünstig, griffen bei der geringsten Kleinigkeit zum Schwert, aßen mit den Fingern anstatt mit Stäbchen. Sie hatten keine Ahnung von gehobenen Umgangsformen und verbrachten ihr Leben auf See, waren ohne feste Heimat und trieben Tauschhandel. Man nannte sie »folangji«, in der chinesischen Abwandlung des arabischen Wortes »feringhi« – was wiederum eine Verballhornung von «Franken» war, der Bezeichnung für alle Europäer während der Zeit der Kreuzzüge.
Geeignet für: Entdecker, denen die üblichen Geschichtsbücher ein Gräuel sind
Einschätzung: Keine Spur von trockenem Historienschinken

Text © Anja Schmidt für DragonViews.com (2008)
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