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Rob GIFFORD

Inhalt

Nachdem Rob Gifford sechs Jahre für das amerikanische National Public Radio aus Peking berichtet hat, soll er nun einen neuen Job in London antreten. Doch bevor er China verlässt, begibt er sich noch einmal auf eine ganz besondere Reise, die ihn quer durchs Land führt: Er folgt der knapp 5.000 Kilometer langen Route 312 von Shanghai nach Korgaz an der kasachischen Grenzen. Gifford trifft dabei auf Yuppies, Prostituierte, Künstler und Bauern, die sich mit dem neuen China irgendwie arrangiert haben. Beamtenwillkür, Umweltverschmutzung und die rasche Entwicklung erfordern ein Höchstmaß an Flexibilität, die Gifford auf seiner Reise durch neue Boomtowns und Oasenstädte immer wieder in Erstaunen versetzt…

Kommentar

Wer bei "China Road" üppige Landschaftsbeschreibungen, Reisetipps und Verhaltenshinweise erwartet, hat ein kleines Problem. Aber nur ein ganz kleines, denn Rob Giffords "China Road" bietet viel Substanzielleres als ein schlichtes Reisetagebuch. Der ehemalige Peking-Korrespondent reist knapp 5.000 Kilometer von Ost nach West. Er trampt, nutzt die kontaktintensiven Überlandbusse, oder greift auf günstige Taxis zurück. Auf seiner Fahrt begegnet er Gewinnern und Verlierern des Wirtschaftswachstums und umschifft dabei geschickt die üblichen stereotypischen Analysen. Gifford schildert realistisch chinesische und westliche Perspektiven, erläutert historische Hintergründe, soziale Brennpunkte und streift dabei auch Themen, die zwar nicht unbedingt auf seiner Route liegen (z.B. Tibet), aber dennoch entscheidend für das Verständnis des modernen Chinas sind. Des Weiteren erzählt der Amerikaner von bekannten "yang ren" (Ausländern), die stark durch China beeinflusst wurden (z.B. Pearl S. Buck) und findet sich selbst in teils sehr außergewöhnlichen Situation wieder. So muss er u.a. in einer kleinen christlichen Gemeinde in Shaanxi eine Predigt halten… Eine kurze Farbfotostrecke in der Mitte des Buches illustriert seine Reisestationen. Unterhaltsam und ohne sich selbst allzu ernst zu nehmen, beschreibt Gifford seine Entdeckungsfahrt durch die boomende Kulturnation China und bietet mit "China Road" nicht nur einen amüsanten Reiseschmöker, sondern auch einen wunderbaren aktuellen Einblick in die moderne chinesische Gesellschaft – ein Muss für Chinafreunde und alle, die einen Blick hinter den Bambusvorhang werfen wollen.

Auszug

  Also habe ich heute eine Strategie entwickelt, die ich heute anwenden werde (weil ich vorhabe, mein Interview aufzuzeichnen), das heißt, ich bin gut vorbereitet, sollte sich abzeichnen, dass ich im Begriff stehe, verhaftet zu werden. Dazu gehört, dass ich eine Minidisk als Köder in der Tasche habe, die ich auf der Stelle gegen die Minidisk in meinem Gerät austauschen kann (auf der sich die vertraulichen Interviews befinden, die ich soeben geführt habe). Sobald die Disk-Attrappe sicher in dem Gerät steckt, verschwindet die heikle Disk unten in meiner Hose, wohin sich selbst der aggressivste chinesische Bulle kaum vorwagen wird.
Nun, sollten Sie jemals versuchen, eine Minidisk (oder irgendetwas anderes, das nicht da sein darf) in einem Paar Boxershorts zu verstecken, werden Sie feststellen, dass sie früher oder später an Ihrem Bein herausfällt. Stehen Sie zufällig mehreren grimmigen chinesischen Polizisten gegenüber, dann sind Sie dran, und man wird Sie in eine Zelle sperren (und, was noch schlimmer ist, Ihre chinesischen Interviewpartner gleich mit). Sollten Sie also jemals in China irgendwelche heiklen journalistischen Missionen vorhaben, packen Sie ihre Jockey-Unterhosen ein.  

Geeignet für: alle, die keine verallgemeinerten Analysen, sondern realistische Einblicke suchen

Einschätzung: Amüsante, informative Reisereportage mit fachkundigen Erläuterungen

4 1/2 Sterne

Text © Anja Schmidt für DragonViews.com (2008)