
70er Jahre, Pondicherry, Indien: Das Leben des 16-jährigen Piscine Molitor Patel ist mehr als ungewöhnlich. Seine Familie besitzt einen Zoo, in dem er und sein Bruder Ravi tagtäglich Lektionen fürs Leben lernen. So demonstriert ihnen ihr Vater recht anschaulich, dass man einem Tiger, hier mit dem schönen Namen Richard Parker, besser nicht zu nahe kommen sollte. Piscine, genannt Pi (aufgrund der Verwechslungsmöglichkeit mit «pissing»), ist ein Grübler und sucht den Sinn des Lebens gleich in drei Weltregionen. Doch sein Selbstverständnis wird auf eine harte Probe gestellt, als seine Familie nach Kanada übersiedeln will und dabei Schiffbruch erleidet. Pi überlebt als einziger seiner Familie. Er landet in einem Rettungsboot auf hoher See – mit vier weiteren Passagieren: einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra, einer Hyäne und…Richard Parker.
Gnadenlos ironisch und grenzenlos komisch ist Yann Martels “Schiffbruch mit Tiger”. Es versetzt den Leser nicht nur ins Indien der 70er Jahre, sondern auch in die Weiten des indischen Ozeans – und das so, als sei der Leser dabei. Die politisch schwierigen Umstände in Indien sind dabei genauso Thema, wie kleine Seitehiebe auf den Dogmatismus des Christentums, des Hinduismus und des Islams. Yann Martel animiert zum Mitgrübeln, aber auch zum Mitlachen. Kein Wunder: Allein die Idee einen 16-Jährigen zusammen mit einem 450 Pfund schweren Tiger auf ein Rettungsboot zu verbannen ist irrwitzig – aber sie funktioniert. Pi überlebt nur, weil er stets darauf bedacht ist MIT dem Tiger zu leben. Er muss ihm lediglich klar machen, wer hier das Leittier ist. Doch wie überzeugt man einen Tiger davon, dass er trotz akuten Futter- und Wassermangels den Leckerbissen (Pi), der ihm gegenüber sitzt, nicht fressen sollte? Das wird selbstverständlich nicht verraten. Doch es gelingt Martel mit ungeheurer Eloquenz, zoologischem Sachverstand und gut durchdachten Charakteren ein Buch zu schaffen, das spannend, witzig und bildend zugleich ist. Anmerkung: Strikte Vegetarier und militante Tierschützer seien gewarnt – hier wird fressen und gefressen werden wörtlich genommen!
Plan Number Three: Attack Him with All Available Weaponry. Ludicrous. I wasn’t Tarzan. I was a puny, feeble, vegetarian life form. In India it took riding atop great big elephants and shooting with powerful rifles to kill tigers. What was I supposed to do here? Fire off a rocket flare in his face? Go at him with a hatchet in each hand and a knife between my teeth? Finish him off with straight and curving sewing needles? If I managed to nick him, it would be a feat. In return he would tear me apart limb by limb, organ by organ. For if there’s one thing more dangerous than a healthy animal, it’s an injured animal.
Geeignet für: alle Lebenslagen
Einschätzung: Wunderschön und urkomisch
Rating: 



Autor/in: Yann MARTEL
Quelle
* © (Zitate/Cover/Screenshots/Scans)
* Verlag: Canongate
* Ausgabe: Taschenbuch
* Jahr: 2003
* ISBN: 1 84195 392 X
* Auszug: S. 158
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