Mao: Das Leben eines Mannes. Das Schicksal eines Volkes.

Mensch oder Gott? Beides oder gar nichts? Das ist oft die zentrale Frage, wenn es um Mao Zedong geht. Mit “Mao: Das Leben eines Mannes. Das Schicksal eines Volkes” liegt nun eine Biografie vor, die sich in die Tiefen von Maos Leben und Schaffen wagt. Der “Große Steuermann” steht nun auf der Anklagebank: Machtbesessenheit soll sein Antrieb gewesen nicht, nicht Volksliebe oder gar eine kommunistische Ideologie. Jahrelang recherchierten Chang und Halliday, interviewten Zeitzeugen und Experten -und die Opfer, die Maos Herrschaft überlebten…

“Mao: Das Leben eines Mannes. Das Schicksal eines Volkes” wird einerseits als Anklageschrift, die den Mythos Mao zerstört gerühmt, andererseits als reißerisch und einseitig verpönt. Wer vor der Lektüre dieses Buches Mao-Befürworter war, wird sicherlich keine 180-Grad-Wendung machen. Und in einem muss man den Kritikern dieses Buches zustimmen: Einen gewissen Sinn für Dramatik hier und da kann man den Autoren nicht abschlagen. Aber genau das macht das Buch lebendig -und das kann man von wenigen Biografien und historisch relevanten Büchern sagen. Gleich von der ersten Seite an, von Maos Kindheit, über seine politische Karriere bis hin zu Kriegen, Kampagnen und Kontroversen ist das Buch durchweg gut lesbar. Der Stil ist zweifellos literarisch geprägt -lebendig, informativ, kritisch, mit gut platzierten Zitaten – nicht unbedingt wissenschaftlich. Dennoch verfügt “Mao” über ein umfassendes Quellenverzeichnis, Register zum Nachschlagen und erklärende Fußnoten -also alles, was man sich prinzipiell für solch ein Werk wünscht (fast 200 Seiten Anhang). Einige Bilder geben konkrete Einblicke in Maos Leben und Herrschaft. Inhaltlich ist “Mao” sehr detailliert, aber auch stets interessant. Wer sich intensiv für chinesische Geschichte interessiert oder diesen “Mythos Mao” etwas besser verstehen will, für den ist “Mao” ein Muss.

Die landesweite Kampagne ging Hand in Hand mit der Landreform in den neu besetzten Gebieten, wo rund zwei Drittel der chinesischen Bevölkerung lebten. Etwa 3 Millionen Chinesen starben entweder durch Hinrichtungen, durch Gewalt der Massen oder durch Selbstmord. Mao wollte, dass Hinrichtungen einen möglichst großen Effekt hatten, und das bedeutete, dass sie öffentlich vollzogen werden mussten. Am 30. März 1951 ordnete er an: “Viele Orte… wagen es nicht, Konterrevolutionäre in großer Zahl mit öffentlichem Aufsehen zu töten. Das muss anders werden.” Allein in Peking fanden etwa 30.000 Massenveranstaltungen mit Aburteilungen und Hinrichtungen statt, fast 3,4 Millionen Menschen nahmen daran teil. Eine junge Halbchinesin aus Großbritannien wurde Augenzeugin eines solchen Ereignisses im Zentrum von Peking. Etwa 200 Menschen wurden zur Schau gestellt und dann durch Kopfschuss getötet; ihre Gehirne spritzten auf die Umstehenden.

Geeignet für: alle, die an den Mythos eh nie geglaubt haben

Einschätzung: Lebendiges, informatives Schwergewicht

Rating: ★★★★☆ 

Autor/in: CHANG Jung & Jon HALLIDAY

© Quelle
Verlag: Pantheon
Ausgabe: Taschenbuch
Jahr: 2008
ISBN: 978 3 570 55033 5
Auszug: S. 425
Infos zum Buch
Titel: Mao: Das Leben eines Mannes. Das Schicksal eines Volkes.
Autor/in: Jung Chang & Jon Halliday
Genre: Sachbuch / Biographie
Thema: Geschichte
Kategorie: Buchkritik / China 

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