
Der “KulturSchlüssel Vietnam” soll Reisende auf den kulturellen Aspekt einer Vietnamreise vorbereiten, vor den üblichen Fettnäpfchen und einem allzu großen Kulturschock bewahren. Hierfür taucht der “KulturSchlüssel Vietnam” in die Geschichte ein, berichtet über Mentalität, Spiritualität und Umgangsformen der Vietnamesen. Natürlich werden auch Klischees beleuchtet und Reisehinweise gegeben. Zahlreiche Bilder illustrieren das Buch und mit einem Kulturspiel kann der Leser sein Verständnis der vietnamesischen Kultur überprüfen.
Mal abgesehen von einer etwas ungewöhnlichen Form den Leser direkt anzusprechen (z.B. “XXX”, fragen Sie.) und der etwas irritierenden Vorstellung, dass der Leser dieser Kulturreise durch Vietnam stets von dem Autor und seiner vietnamesischen Frau begleitet wird, bietet der “KulturSchlüssel Vietnam” solide Hintergründe zur vietnamesischen Kultur und berichtet vor allem aus der persönlichen Erfahrungsperspektive. Dumm nur, wenn dann die Tipps nicht ganz so praktisch sind, wie es wünschenswert wäre (z.B. sich von vietnamesischen Freunden und Bekannten vor jedem Kauf die Preise für Einheimische sagen zu lassen -eigentlich selbstverständlich, wenn man diese Bekannten hätte…). Die Gliederung des Buches ist ein wenig undurchsichtig. Thematisch beginnt der Autor mit Kriegstourismus (Ja! Für die echten Vietnamfans!) und springt dann hin und her zwischen Geschichte, vietnamesischem Alltag und Verhaltenstipps für Ausländer. Es fehlt ein klares Konzept und irgendwie scheint es so, als wäre dieses Buch für männliche Vietnambesucher geschrieben, die mit ihrer vietnamesischen Frau das Land bereisen… Zumindest der Teil über deutsch-vietnamesische Begegnungen, Ostalgie und Vietnambild vs. Deutschlandbild sind äußerst informativ. Auch einige kuriose Hintergründe hat das Buch zu bieten (z.B. das Horrorkabinett im Tu-Du-Krankenhaus). Und natürlich sind hier auch die üblichen Hintergründe zu Tischsitten, Familienleben und Sprache zu finden. Das gesamte Layout ist jedoch zu grob und auch farblich nicht ideal gestaltet. Insgesamt keine wirklich überzeugende Zusammenstellung, aber immerhin inhaltlich solide Hindergrundinformationen.
Der Tourist, der ausschließlich auf der N1 von Saigon nach Hanoi fährt, bekommt von der Schrotthinterlassenschaft nicht viel zu sehen. Seit Anfang der 1990er Jahre sind die zerstörten Panzer entlang der Hauptroute verschwunden und nur noch auf Denkmalsockeln oder in Armeemuseen anzutreffen. Halten Sie die Augen offen, wenn Sie von den Marmorbergen nach Danang hinein fahren; dort gibt es (gab es zumindest bis vor kurzem) einige Schrottplätze, auf denen die Bombenhülsen mit Schweißgeräten zerlegt werden. Das einst so ertragreiche Gebiet neben der ehemaligen Grenzbrücke über den Ben-Hai-Fluss liegt heute wie eine zerfurchte Mondlandschaft da. Sollte den Leser dieses Drama weiter interessieren, so muss er in Richtung laotische Grenze abbiegen und den modernen Schatzsuchern mit ihren selbstgebastelten Metalldetektoren auf die ehemaligen Basen und Schlachtfelder im Truong-Son-Gebirge folgen.
Geeignet für: deutsch-vietnamesische Touristenpärchen
Einschätzung: Verständnis und Unverständnis liegen nah beieinander…
Rating: 



Autor/in: Hans-Jörg KELLER
© Quelle
Verlag: Hueber
Ausgabe: Taschenbuch
Jahr: 2000
ISBN: 3 19 05309 X
Auszug: S. 59
Infos zum Buch
Titel: KulturSchlüssel Vietnam
Autor/in: Hans-Jörg Keller
Genre: Sachbuch / Kulturführer
Thema: Kultur / Gesellschaft / Reisen / Vietnam
Kategorie: Buchkritik / Vietnam