Inspektor O

Eigentlich soll Inspektor O nur ein Foto machen. Doch was so harmlos beginnt, wird sehr schnell zu einem höchst verzwickten Fall. Denn plötzlich gerät Inspektor O und seine Dienststelle in Pjöngjang zwischen die Fronten zweier konkurrierender Geheimdienststellen. Jeder Versuch, Beweise zu sammeln wird untergraben, jede Bewegung genau überwacht, technische Hilfen gibt es keine -und doch lässt sich Inspektor O nicht einschüchtern. Auf verschlungenen Wegen sucht er nach der Wahrheit und gerät in ein Netz aus Intrigen, Korruption und Beziehungen, die so weit reichen, dass dieser Fall Os letzter sein könnte…

Ein Kriminalinspektor in Pjöngjang -das allein klingt schon vielversprechend. Die Geschichte von “Inspektor O” entwickelt sich allerdings bedächtig: Es geht um
Familienkonflikte, skrupellose Machtkämpfe und einen Mann, der sich stets auf der Suche nach einer Tasse Tee befindet. Doch genau wie der Leser, tapp der Inspektor in diesem Korea-Krimi stets im Dunkeln, stets einen Schritt hinter den Bösen. Man wartet darauf, dass die versprochene “Hölle” losbricht -und man wartet, und man wartet, und man wartet… Die Hölle bricht nicht los und auch Spannung sucht man in diesem Thriller vergebens. Jedes Mal, wenn auch nur ein Fünkchen Spannung aufkommt, wird sie gleich mit Heimlichtuereien oder endlosem Gequassel erdrückt. Insgesamt passiert herzlich wenig. Der Protagonist erzählt von seinem Großvater und seiner Kindheit in Nordkorea -allerdings nicht detailliert oder emotional genug, um wirklich Eindruck zu machen. Er reibt Hölzer und zwischendurch wird in eine Befragung durch den irischen Geheimdienst geschaltet -eine Anhäufung von plumpen Floskeln. Die Stimmung ist höchst unspektakulär -wie ein Plattenbau in Pjöngjang eben. Ein Märchen, das stagniert, bevor es beginnt. Hinzu kommt, dass der Roman zahlreich mit Tippfehlern bespickt ist. Besonders schlimm fällt das natürlich auf, wenn die Geschichte wenig zu bieten hat. Den Todesstoß hat “Inspektor O” allerdings der Übersetzer verpasst: Eine hölzerne Übersetzung, die zudem auf Zeitformen pocht, die weder passend, noch immer sinnvoll ist. Die stereotypische Schreibe geht wohl allerdings auf den Autor zurück… Da mag man nicht weiterlesen… außer man muss…

“Dies war das erste Mal, dass Sie Kang getroffen haben?” Der Ire betrachtete eingehend die Vögel auf der Tischdecke, als hätte er sie noch nie gesehen.
“Nein, das erste Mal in Paks Büro, wie Sie sich vielleicht erinnern.”
“Das weiß ich. Ich meine aber, dass Sie erstmals länger mit ihm geredet haben.”
“Sie sollten genauer aufpassen, oder haben Sie ein Problem damit? Dann beenden wir das Gespräch besser gleich.”
“Wie höflich Sie doch sind. Ich hätte Sie für viel gehässiger gehalten.”
“Darf ich das als typisches irisches Kompliment werten?”
“Nein. Aber mir wurde gesagt, Koreaner mögen keine Fremden. Darauf solle ich mich einstellen. Also, kommen Sie wieder auf den Teppich. Ich habe Sie nicht kritisiert, sondern nur ein Faktum konstatiert -so, wie wenn ich gesagt hätte: Kuhscheiße stinkt.”
“Weshalb sollten Sie mir sympathisch sein?”
“Gut, dann bin ich es eben nicht. Ich wollte damit nur sagen, dass ich es hasse, mit falschen Instruktionen in ein Gespräch zu gehen.”

Geeignet für: laaange Zugfahrten, vor denen es kein Entkommen gibt

Einschätzung: Hölzern -in vielerlei Hinsicht

Rating: ★½☆☆☆ 

Autor/in: James CHURCH

© Quelle
Verlag: Heyne
Ausgabe: Taschenbuch
Jahr: 2008
ISBN: 978 3 453 43276 5
Auszug: S. 61 / 62

Infos zum Buch
Titel: Inspektor O
Autor/in: James Church
Genre: Roman / Thriller
Thema: Murder Mystery
Kategorie: Buchkritik / Korea 

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