Die weibliche Seite des Buddha: Ein Lesebuch

Autor/in: Agnes POLLNER

Wenn überhaupt, dann sind sie meist als namenlose Nebendarstellerinnen in die Geschichte des Buddhismus eingegangen: Frauen. Mit “Die weibliche Seite des Buddha” wird jedoch klar, dass es sich hierbei nicht um einen Mangel von weisen Frauen im Buddhismus handelt, sondern sie oftmals schlicht aus einer patriarchischen Weltanschauung heraus, oder bloßem Desinteresse “weggelassen” wurden. Agnes Pollner widmet sich nun mit “Die weibliche Seite des Buddha” in einem Lesebuch den Zeitgenossinnen Buddhas, sowie Frauen, die in den Traditionen von Mahayana und Vajrayana eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben. Die literarische Reise führt dabei durch die Jahrhunderte – von Indien über China und Tibet bis nach Japan.

Mit Mut, Entschlossenheit, Geduld, Humor und manchmal auch Frechheit haben sich Frauen in den buddhistischen Kulturtraditionen einen Namen gemacht. Zumindest in der Theorie. In der Praxis wurden sie gerne ignoriert, da meist männliche Übersetzer und Praktizierende ihre Rolle und ihr Inspirationspotenzial als “Erwachte” eher für geringfügig einschätzten oder einschätzen wollten. Wer sich jedoch über die “Vergessenen” einen allgemeinen Überblick verschaffen will, kann dies mit “Die weibliche Seite des Buddha” tun. Mit dem Buch ist eine informative und leicht zu lesende Mischung aus Märchen, Legenden und historischen Fakten entstanden, die für religiös interessierte Leser sicherlich seinen Reiz hat. Das mit den Fakten ist allerdings so eine Sache, da sich wenig konkret belegen lässt und Agnes Pollner Erzählungen auch frei umgeschrieben hat. Die oft mit männlichen Protagonisten ausgestatteten Geschichten wurden von der Autorin nach eigenen Vorstellungen nacherzählt -aus dem Blickwinkel der oft namenlosen Frauen, d.h. hier treffen Fakten auf Fiktion und es wird z.B. mit innerem Monolog experimentiert. Das ist natürlich ein höchst schwieriges Unterfangen. Und es ist ebenso schwer zu beurteilen, wie gut ihr diese Symbiose von trockener wissenschaftlichen Theorie und lebendigem Lesebuch wirklich gelungen ist. Zumindest was den Schreibstil angeht, so hat es Agnes Pollner geschafft, mit “Die weibliche Seite des Buddha” ein Werk vorzulegen, das nicht exklusiv für Experten geeignet ist. Zwar schreibt sie recht ausschweifend und hat offensichtlich oft wenig Konkretes zu berichten, sodass sie sich auch gerne wiederholt. Aber vielleicht verfolgt diese Repetition ja durchaus einen gewissen “Lehrzweck”… Das Schöne an diesem Buch ist, dass die Autorin weiß, dass sie sich hier auf unebenes Gebiet wagt und zumindest in ihren Hintergrunderläuterungen zu den Geschichten auch auf Kritiker verweist. Das Lesebuch ist in drei große Komplexe gegliedert und enthält jeweils informative Einleitungstexte und personengebundene Erzählungen. Inwieweit diese Personen dann wirklich als wichtig gelten (sollten), ist diskussionsfähig. Zumindest enthält “Die weibliche Seite des Buddha” eine große Vielfalt an weiblichen Protagonistinnen -von der Tante Buddhas bis zur ersten Zen-Meisterin -und bietet viele interessante Denkansätze. Was dem Buch allerdings unbedingt fehlt ist ein Glossar. Nicht alle Begriffe dürften allgemein bekannt sein und nicht alles wird erklärt. Fachschwätzerei gibt es allerdings nicht.

Um durch eine Entscheidung nicht selbst Angriffsziel zu werden, sucht er [Vater] die beiden besten Angebote aus, zwei junge Männer aus reichen Sippen. Dann ließ er mich rufen, und als besondere Ehre sollte ich aussuchen dürfen, welchen ich haben wollte. Ich aber rief voller Verzweiflung: “Ich werde mit keinem von beiden gehen! Freiheit ist sehr schwer zu erlangen, und ich möchte nicht im Kerker der weltlichen Existenz gefangen bleiben!” Aber meine Stimme galt nichts. Alle schüttelten verständnislos den Kopf. Dann ließ mein Vater verkünden, er werde seine Tochter auf ein Pferd setzen und aus dem Haus jagen. Wer von den beiden Bewerbern sie als Erster einfangen könne, dem solle sie gehören.
[...] An einem Felsvorsprung, der in die Ebene ragte, sprang ich ab. An diesem Felsen klammerte ich mit aller Macht fest, die Stiefel tief in den Morast versenkt. Die Männer zerrten mich an der Schulter, an den Hüften, aber ich hielt so fest, dass sie mich keinen Zentimeter von dem Felsvorsprung wegbewegen konnten. Da holte der Anführer eine Peitsche und begann auf mich einzuschlagen. Sie hatte Metallhaken an den Enden und mit jedem Hieb riss sie mir tiefer den Rücken auf. “Du magst der mächtigste Mann in ganz Karchen sein, aber in dir ist nicht ein Funke Weisheit! Bring mich um, das ist mir gleich!”, brüllte ich den Anführer zwischen den Hieben an….

Geeignet für: offene, aber auch skeptische Weltenbummler und natürlich Buddhisten/Innen

Einschätzung: Überschwängliches Loblied auf die weise Weiblichkeit

Rating: ★★★☆☆ 

© Quelle
Verlag: Theseus
Ausgabe: Hardcover
Jahr: 2008
ISBN: 978 3 7831 95354
Auszug: S. 368/369
Infos zum Buch
Titel: Die weibliche Seite des Buddha: Ein Lesebuch
Autorin: Agnes Pollner
Genre: Sachbuch
Thema: Buddhismus
Kategorie: Buchkritik / Asien

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