
Der tapfere und gerechte Hauptmann Lu trifft eines Tages auf einen armen Vater und seine Tochter, die von einem arglistigen Metzger betrogen wurden. Lu rast vor Zorn und bringt den Mann im Streit um. Er muss fliehen. Auch Hauptmann Lin bekommt Probleme mit den Behörden. Der Ziehsohn von Marshall Kao hat sich unsterblich in Lins Ehefrau verliebt. Lin wird also in eine Falle gelockt und aus der Provinz verbannt. Lu und Lin schließen sich den Räubern vom Liang Schan Moor an, die unter der Führung von Sung ihre Macht immer weiter ausbauen. Eine gefährliche Entwicklung, beschließen die Behörden und schicken Regierungstruppen, die zum großen Angriff auf die Bergfeste der Rebellen ausholen. Doch Sung und seine Gefährten sind nicht irgendwelche Banditen…
“Die Räuber vom Liang Schan Moor” (»Shuihuzhuan«) gehört zu den vier bekanntesten klassischen Romanen der chinesischen Literatur. Die mündlich überlieferte Volkserzählung basiert auf den Abenteuern des Rebellen Sung Kiang (»Song Jiang«), der mit seiner Bande im zwölften Jahrhundert an den Ufern des Liang Schan Moors sein Unwesen trieb. Doch obwohl Sung und seine Gefährten ein immer größeres Areal unter ihre Herrschaft gebracht hatten, vermochten es die Regierungstruppen nicht sie zu stoppen. Die Rebellen unterwarfen sich als ihnen eine Amnestie zugesichert wurde. Die Geschichten über den Banditen Sung Kiang und seine 36 Häuptlinge, die in diesem Roman erzählt werden, verlaufen immer nach gleichem Muster: Ein wackerer Kempe gerät durch Missgeschick oder bösen Willen in Misskredit. Er muss vor den meist korrupten oder unfähigen Behörden fliehen und schließt sich schlussendlich der Räuberbande von Sung an. Franz Kuhn hat diese Erzählungen gekürzt und teilweise etwas freier übersetzt – so ist es ihm gelungen ein lebendiges, in sich schlüssiges und humorvolles Werk für eine größere Leserschaft aufzuarbeiten. Denn auch wenn sich viele Banditenbiografien gleichen, so hat jeder einzelne einen unverwechselbaren Charme. Sie genießen das Leben und vertreten tatkräftig ihre Prinzipien. Da werden Beile geschwungen, Lanzen gezückt, Tiger erschlagen und Bäume entwurzelt. Die Rebellen tragen vielsagende Namen wie Pantherschädel oder Eiserner Büffel. Und natürlich zeigen sie hier und da persönliche Schwächen, die sie immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Diese Ausgabe des Romans wurde mit sechzig klassischen Holzschnitten illustriert, die einen wunderschönen Eindruck des Geschehens vermitteln.
Der Windstoß hatte sich kaum gelegt, als der Eiserne Büffel durch ein dumpfes Knurren aus nächster Nähe gewarnt wurde. Gleich darauf sprang ihn aus dem dunklem Baumschatten mit mächtigem Satz das Tigermännchen an. Deutlich konnte er im hellen Mondschein die hervorquellenden Augen und den weißen Fleck auf der Stirn unterscheiden. Er hatte blitzschnell sein Schwert zur Abwehr vorgestreckt und nahm die anspringende Bestie ohne Zittern und Wanken an. Seine Schwertspitze fuhr ihr genau unterhalb des Kinns in die Kehle und bohrte sich ihr infolge der ungeheuren Gewalt des Sprungs bis zur Luftröhre in Hals und Brust. Von Schmerz gepeinigt, sackte die Bestie zusammen, kroch sechs, sieben Schritt rückwärts, stieß ein kurzes schauerliches Gebrüll aus, dass die Berge beben machte, und verendete.
Geeignet für: Freunde raubeiniger Helden
Einschätzung: Actionreiche Räuberklamotte zum Schmunzeln
Rating: 



Autor/in: SHI Nai’an
Quelle
* © (Zitate/Cover/Screenshots/Scans)
* Verlag: insel
* Ausgabe: Taschenbuch
* Übersetzt von: Franz Kuhn
* Jahr: 2003
* ISBN: 3 458 31891 7
* Auszug: S. 544
Auch interessant:







