1000 Tage in Shanghai: Die abenteuerliche Gründung der ersten chinesisch-deutschen Automobilfabrik

China
Autor/in: Martin POSTH
Als Ende der 70er die Weichen für eine moderne Automobilindustrie in China geschaffen werden, ahnt noch niemand, welche Schwierigkeiten eine deutsch-chinesische Zusammenarbeit auf diesem Sektor mit sich bringen würden. Martin Posth erhält in den 80ern den Auftrag, die Gründung von “Shanghai Volkswagen” als Vorstandsmitglied zu betreuen. Er weiß, es wird schwierig. Und doch kommt es ganz anders, als gedacht. Nicht nur Technik-Know-How wird hier benötigt. Auch Management Skills, Standortpolitik, Vertriebswege und natürlich ein gewisses Grundverständnis für Umweltschutz, Arbeits- und Vertragsrecht fehlen. Quecksilber wird einfach in Flüssen entsorgt, angelernte Mitarbeiter urplötzlich für andere Betriebe benötigt; Wissen, Technik und Material verschwinden und gehen direkt an chinesische Staatsbetriebe. Aber was tun? Das abenteuerliche Unternehmen muss zu einem Erfolg werden – und wurde es auch…
Bei der IAA fielen sie auf, wie kaum etwas anderes: Die chinesischen Spotter, die mit ihren High-Tech-Kameras flink wie Wiesel, um und in die neuesten Modelle huschten und alles auf Bildern und in Videos festhielten, was ihnen vor die Linse kam. Ein Schelm, wer da Böses denkt oder gar eine Diskussion über Industriespionage beginnt. Perfektes Kopieren eines Meisterwerks zählt in China zu den Grundlagen vieler Künste. Und: Warum sollte man nicht von den Besten lernen?
Martin Posth berichtet in “1000 Tage in Shanghai”, wie aus einer rückständigen Fabrik eine moderne Produktionsstätte wurde, wie aus den schwierigsten Anfangsbedingungen eine echte Erfolgsgeschichte wurde. Natürlich gibt es hier viel Fachgesimpel, aber selbst wer sich nicht für die Automobilindustrie interessiert, wird in diesem Buch so einiges Interessantes und Informatives entdecken. Denn die Schwierigkeiten, auf die Martin Posth in den ersten 1000 Tagen Shanghai Volkswagen stößt, sind immer noch höchst aktuell und sorgen weiterhin für Missverständnisse und Komplikationen im Chinageschäft – egal in welchem Bereich. Zudem gibt Martin Posth am Ende jedes Kapitels konkrete Verhaltens- und Verständnistipps für alle diejenigen, die das Abenteuer China auch für ihr eigenes Unternehmen in Betracht ziehen. Wirklich neu sind die Hinweise, die Posth hier parat hält, nicht. Zu viel wurde bereits über das deutsche Chinageschäft geschrieben, als dass man dieses Buch unbedingt lesen müsste. Wer auf diesem Gebiet allerdings noch Lesebedarf hat und sich von einer praktischen Seite annähern möchte, für den empfiehlt sich “1000 Tage in Shanghai” als solide Grundlage. Zwei Schwachpunkte hat das Buch jedoch: Der Autor versucht betont objektiv und verständig zu bleiben, sodass hier der persönliche Aspekt etwas zu kurz kommt. Zudem müssten große Taten und Weisheit eigentlich nicht immer betont werden – so wie hier geschehen. Diese Schlussfolgerung ist klar und ein wenig Einschätzung, sollte dann auch noch dem Leser überlassen bleiben – vor allem, wenn man selbst aktiv involviert war. Dennoch ist “1000 Tage in Shanghai” ein lohnender Einblick in komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge.
Ungekannte Dritte entsorgten nicht nur unseren Giftfund, sondern vergriffen sich auch an unserem Baumaterial, das wir für die Modernisierung brauchten. Zement, Stahl, alle möglichen Baustoffe verschwanden auf unerklärliche Weise. Die Wolfsburger standen Kopf: Wie konnte die STAC überhaupt noch parallel in unserer Fabrik produzieren? Wo blieb das Baumaterial, das eigentlich uns zugeteilt war? Wir sahen, wohin unser Material verschwand. Es landete auf einer Baustelle, wo die Chinesen sich – parallel zu unserer Modernisierung – eine neue Fabrik bauten. Es war ungerecht, das lag auf der Hand, aber wir fanden keinen Weg, es zu ändern. Alles, was unsere chinesischen Mitarbeiter bei SVW gelernt hatten, trugen sie in ihre Staatsbetriebe. Später nutzten sie die ersten in China produzierten Einzelteile des Santanas, die in ihren “Shanghai Sedan” passten, um dem alten Modell einen modernen Anstrich zu verleihen. Diese Praxis stand in krassem Widerspruch zu dem, was verträglich vereinbart war, nämlich dass alle in China produzierten Teile ausschließlich für den Santana, für unser Produkt verwendet werden durften.
Geeignet für: alle, die das Chinageschäft aus erster Hand kennenlernen wollen
Einschätzung: Informatives Praxisbeispiel
Rating: 



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Verlag: Hanser
Ausgabe: Hardcover
Jahr: 2007
ISBN: 978 3 446 40621 6
Auszug: S. 47
Titel: 1000 Tage in Shanghai: Die abenteuerliche Gründung der ersten chinesisch-deutschen Automobilfabrik
Autor/in: Martin Posth
Genre: Sachbuch / Wirtschaft
Thema: Automobil / Industrie / Business / China
Kategorie: Buchkritik / China
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