Cover

SUZUKI Seijun

Inhalt

Der junge Gangster Tetsu und sein Boss Kurata wollen der Yakuza den Rücken kehren und auf ehrliche Art ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch das wird ihnen von rivalisierenden Banden erheblich erschwert. Durch eine schlau ausgetüftelte Intrige verliert Kurata seine wichtigste Immobilie und Tetsu wird zum Mörder wider Willen. Aus Sicherheitsgründen verlässt er seine Heimatstadt und driftet ziellos durch Japan, stets verfolgt von Auftragskillern…

FilmbilderKommentar

Schonmal vorweg: "Tokyo Drifter" anzuschauen, ist ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Allein die Farbgebung: Nach einer kurzen Eingangssequenz in Schwarzweiß präsentiert der Film eine derart knallbunte Pop-Art-Welt, dass einem fast die Augen wehtun. Der Protagonist ist den Großteil der Zeit in ein leuchtendes Hellblau gekleidet, sein Gegenspieler ist blutrot gewandet, ein anderer Gangster trennt sich nur ungern von seiner tannengrünen Jacke. Die stark stilisierten Schauplätze, zumeist Bars, Büros oder Hotelzimmer, sind bevorzugt strahlend gelb oder lila bis rot gehalten. Der künstliche Eindruck, den die Kulissen vermitteln, wird noch verstärkt durch einen sehr fragmentierten, oft schlichtweg unsinnigen Plot und durch zahlreiche exzentrische Schnitte. Einzelne perfekt komponierte Bilder und coole Gesten der Darsteller sind hier bedeutend wichtiger als logische Zusammenhänge. Wer bereit ist, auf Realismus und eine geradlinige, nachvollziehbare Handlung zu pfeifen und sich stattdessen in rauschhaften Bildern zu verlieren, wird an "Tokyo Drifter" seine helle Freude haben. Originell ist das Werk allemal.

Geeignet für: Pastellfarben-Hasser

Einschätzung: Exzentrische Gangsterballade

3 1/2 Sterne

Text © Anne Herskind für DragonViews.com (2006)