Mian Mian: Von Baumwolle, Süßem und Pandasex

Mian Mian zählt zu den jungen Wilden unter den chinesischen Schriftstellerinnen. Sie gilt als unkonventionell und bricht mit gängigen Normen nur allzu gerne. Unbelastet durch die Kulturrevolution findet Mian Mian ihre Themen in den Straßen und Bars der Großstadt. Gern wird sie als dekadent und obszön beschrieben und auch ihr Schreibstil ist höchst umstritten. Ihre Charaktere sind meist mit modernen Krankheiten (Drogensucht etc.) beladen und irren im Großstadtdschungel orientierungslos umher. Funktionierende Beziehungen gibt es nicht und auch der Wert des eigenen Lebens wird meist in Frage gestellt. Wie Wei Hui verzichtet auch Mian Mian nicht auf autobiografische Züge, inszeniert sich gerne in den Medien als coole Künstlerin am Rande der Gesellschaft. Wie ihre Kollegin hatte Mian Mian bereits Probleme mit der chinesischen Zensur, so dass neue Publikationen stets von strengen Sittenwächtern begutachtet werden -was jedoch nicht über den Ladentisch ging, wurde eben darunter gehandelt und bescherte der Autorin eine noch höhere Popularität. Mit “Panda Sex” schlägt sie eine neue Richtung ein, denn Pandas sind dafür bekannt besonders sexscheu zu sein…

Mian Mian wurde am 28. August 1970 in Shanghai geboren. Sie brach die Schule ab und schrieb mit 15 bereits ihre ersten Geschichten. Sie ging nach Shenzhen, sang in Bars und war heroinsüchtig. 1995 kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück und veröffentlichte zwei Jahre später ihre Kurzgeschichtensammlung “La la la”. 2000 folgte dann ihr erster Roman “Candy”. Beide Werke wurden zunächst zensiert, 2002 wurde die Zensur jedoch aufgehoben. In der Clubszene ist Mian Mian vor allem als DJ und Event-Veranstalterin bekannt. 2002 spielte sie im Film “Shanghai Panic” (我们害怕) mit und schrieb hierfür auch das Drehbuch. Ihr Buch “Panda Sex” wurde wohlwollend von den Behörden aufgenommen. Dieses Werk reflektiert ihr Leben ohne Drogen, Alkohol und (zumindest mit sehr wenig) Sex.

Infos
Beruf: Schriftstellerin
Chinesischer Name: WANG Shen 王莘
geboren: 28. August 1970
Geburtsort: Shanghai, China

Wei Hui – Pop-Poetin oder Skandalluder

Wei Hui gehört zur jungen Schriftstellergeneration Chinas. Oft als Popliteratin verschrien schreibt sie vor allem über Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Das Leben in der Großstadt ist für sie geprägt von Einsamkeit, Beziehungslosigkeit und der Suche nach sich selbst. Sie kritisiert diesen Zustand jedoch nicht -sie zelebriert ihn. Durch ihre sehr direkte Sprache wird ihr Schreibstil oft als obszön kritisiert. Im Vergleich zu Mian Mian pflegt sie sich inhaltlich jedoch in einem gehobenen Umfeld zu bewegen, so dass ihre Charaktere meist Intellektuelle und Künstler sind. Auch Expats spielen immer wieder eine große Rolle. Wei Huis Werke haben meist autobiografische Züge und bewerben so das Image, das sich die Autorin selbst zugedacht hat. Ähnlichkeiten mit Tagebuch-Literatur sind somit durchaus gewollt. Wei Hui hat, wie ihre Kollegin Mian Mian, mit der Zensur in China zu kämpfen. Dies wird im Westen gerne zu Werbezwecken ausgenutzt; ihre Bücher werden als «Untergrundromane» angepriesen.

Wei Hui wurde 1973 in Ningbo (Zhejiang) geboren. Sie studierte Chinesische Sprache und Literatur an der Fudan University in Shanghai. Sie hat u.a. als Moderatorin, Journalistin und freie Autorin gearbeitet. 2000 veröffentlichte sie ihren ersten Roman “Shanghai Baby”, der umgehend von den chinesischen Behörden vom Markt genommen und verboten wurde. Der Verlag, der das Buch in China veröffentlicht hatte wurde geschlossen und Restexemplare öffentlich verbrannt. Ihr zweiter Roman “Marrying Buddha” wurde 2005 nur in seiner zensierten Version für den Markt zugelassen. Bai Ling soll als Coco in der Verfilmung von “Shanghai Baby” überzeugen.

Infos
Beruf: Schriftstellerin
Chinesischer Name: ZHOU Wei Hui å‘¨å «æ…§
geboren: 1973
Geburtsort: Ningbo, China

Mao Zedong – Revolutionsgott und Kultikone

Mao Zedong wird 1893 in Shaoshan (Provinz Hunan) geboren. Seine Eltern sind vergleichsweise wohlhabende Bauern, sodass er eine gute Ausbildung erhält. 1908 wird er im Alter von 14 Jahren mit der vier Jahre älteren “Frau Luo” verheiratet, die jedoch bereits 1910 verstirbt. Ab 1919 arbeitet er als Grundschullehrer in Changsha. Bereits seit seiner Studienzeit hatte er sich politische engagiert und wird 1921 Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei Chinas. Er heiratet seine zweite Frau, Yang Kaihui und wird zum Parteisekretär der Provinz Hunan gewählt.

Ein Bündnis zwischen der KPCh und dem politischen Gegner, der Guomindang, scheitert. Mao organisiert daraufhin 1927 einen Bauernaufstand, der kläglich scheitert. Er und seine Gefolgsmänner fliehen in die Berge und bauen eine eigene Armee auf. In den Jahren darauf folgt ein Guerillakrieg mit der Guomindang. Mao muss seine Basis in den Bergen 1934 aufgeben und zieht mit 100.000 Soldaten, auf dem sogenannten Langen Marsch, nach Norden. In Yan’an (Shaanxi) errichtet er eine neue Basis.

1931, nachdem seine zweite Frau ein Jahr zuvor hingerichtet worden war, ehelicht er He Zizhen, die er nach dem Langen Marsch jedoch zur Erholung in die Sowjetunion schickt. Da hat Mao jedoch bereits ein Auge auf die Schauspielerin Jiang Qing geworfen, die unter Parteigenossen höchst umstritten ist. 1937 heiratet Mao Zedong zum vierten Mal. Seine neue Frau Jiang Qing (“Madame Mao”) sollte später als einer der Hauptverantwortlichen der Kulturrevolution der Prozess gemacht werden.

1943 wird Mao Vorsitzender des Zentralkomitees der KPCh. Nach dem Sieg über die Guomindang 1949 wird er zudem zum Vorsitzenden des Revolutionären Militärrates gewählt. Damit wird er offiziell zum Führer der KPCh und ruft am 1. Oktober 1949 auf dem Tiananmen (Platz des himmlischen Friedens) die Gründung der Volksrepublik Chinas aus. In den folgenden Jahren verfolgt Mao eine Politik, die ihn zum unumstrittenen “Großen Vorsitzenden” macht. Mao Zedongs Kampagnen dienen vor allem der Verbreitung seiner Ideologien und der Machterhaltung (z.B. Hundert-Blumen-Bewegung, Kulturrevolution). Sie enden unrühmlich in politischen Desastern. Am 9. September 1976 stirb der “Große Steuermann”. Bis zu seinem Ende soll er klaren Verstandes gewesen sein und selbst am Sterbebett noch Befehle erteilt haben. Heute ist sein Konterfei noch immer in Übergröße am Eingang zur Verbotenen Stadt in Peking zu bewundern -gegenüber dem Tiananmen, wo Maos Leichnam in einer Gedenkhalle aufgebahrt ist und fast täglich nicht enden wollende Touristenströme fasziniert…

Auch wenn Maos Nachlass inzwischen von Hochglanzmagazinen und westlichen Fastfoodketten verdrängt wird, so ist der Revolutionsführer stets allgegenwärtig: Auf Märkten finden sich alle Arten von Memorabilien: Von der Mao-Bibel, über Feuerzeuge, die beim Öffnen revolutionäre Klänge von sich geben, bis hin zu Propaganda Postern – alles findet stehts seine dankbaren Abnehmer. Auch in der Kunst spielt Mao Zedong eine immer größere Rolle. Bildhauer und Maler nutzen sein Antlitz als Symbol – nicht immer im positiven Sinne – und kommen so zu Geld und internationalem Ruhm. Und während überall noch Spuren der Kulturrevolution zu finden sind, treffen sich immer öfter Gruppen, die gemeinsam in Parks zu revolutionärem Liedgut anstimmen – ganz nach dem Motto: Es gab auch viel Gutes – damals… Mao ist eben noch lange nicht tot.